SPD-Regierungschef lästert über eigene Partei: Wir sind zu langweilig!
Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Alexander Schweitzer (51, SPD) sieht seine Partei angesichts schlechter Zustimmungswerte in der Pflicht, mit politischer Emotionalisierung zu punkten
Mainz/Berlin – Verliert die SPD ihr Herz? Wo bleiben die politischen Emotionen? Angesichts dramatisch schlechter Umfragewerte und eines historischen Debakels bei der Bundestagswahl im Februar dieses Jahres schlägt der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Alexander Schweitzer (SPD) Alarm – und fordert nicht weniger als eine politische Gefühlsrevolution!
► In einem Interview mit dem „Tagesspiegel“ macht Schweitzer klar: Die Sozialdemokraten haben ein Problem – sie sind einfach zu langweilig! „Ich habe den Eindruck, die SPD ist für viele etwas zu langweilig geworden“, sagt er ganz offen. Seine Forderung: „Wir brauchen neue politische Ideen und Impulse, einen neuen Stil“.
Für Schweitzer ist klar: „Wir müssen mehr mit dem Herzen argumentieren, nicht nur mit dem Taschenrechner“, so der SPD-Politiker. Die SPD sei „manchmal zu technokratisch“, gesteht Schweitzer selbstkritisch. Die Bürger verlangten mehr als „bürokratische Antworten in Spiegelstrichen“. „Die Welt dreht sich dramatisch. Darauf sollte die SPD auch mal grundsätzlich antworten“, forderte er.
AfD und Linke holen auf
Mit Blick auf das Erstarken von AfD und Linkspartei warnt Schweitzer eindringlich vor einem emotionalen Vakuum in der politischen Mitte: „Emotionen waren und sind immer Teil von Politik“, betont er. Und weiter: „Wir sollten die politischen Emotionen nicht den Linken und der emotional toxischen AfD überlassen.“
Begeisterung statt Bürokratie
► Der Weg zurück zu alter Stärke? Leidenschaft!
Die SPD müsse Menschen „auch begeistern können“, so Schweitzer. Die große Zeit der Sozialdemokratie sei immer dann gekommen, wenn sie „die Menschen überzeugen konnte, Teil eines Aufbruchs, eines besseren Morgens zu sein“.
Jetzt gelte es, dieses Feuer neu zu entfachen: „Diesen Geist müssen wir in uns selbst entfachen, damit andere begeistern“, ruft er seine Partei auf. Viele Menschen warteten nur „auf ein starkes, emotional berührendes Gegenangebot aus der politischen Mitte zum Hass der AfD“.
SPD verliert den Anschluss
Die Zahlen sprechen eine bittere Sprache: Seit der Bundestagswahl ging es für die SPD in Umfragen weiter bergab: Mit 13 bis 15 Prozent hat sie den Anschluss an Union und AfD verpasst. Der von Klingbeil ausgerufene Wahlsieg 2029 scheint derzeit in weiter Ferne.
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